Pfad des Nebels
- Aufbruch -
Am frühen Morgen machte sich Lin’yun auf zum Tian Kloster. Tau hat sich über die Wiesen und Pflanzen gelegt. Es war schön frisch und die Luft voller Sauerstoff. Sehr angenehm diesen Aufstieg zum Kloster anzutreten. Sie kam vom Dorf, dort begann das Treiben des Tages allmählich und schritt die Stufen hinauf. Ihr Ziel war Meister Shen Yao, er war derjenige, der sich um die sogenannten „Nebelwirker“ kümmert.
Angekommen am Kloster schaut sie sich um, nach einigen Momenten sah sie ihn und ging aufgeregt zu ihm.
Sie wollte ihn ansprechen, doch Shen sagte bereits mit leiser Stimme: „Du bist sehr früh am Morgen hier. So früh kommen nur diejenigen, die Antworten suchen.“
Lin’yun antworte zögerlich: „Seid gegrüßt Meister Shen – Ich möchte sehr gerne hier lernen. Nicht das Kämpfen, ich möchte helfen, ich habe herausgefunden, dass ich mehr tun kann als Tränke zu brauen.“
Der Meister musterte sie ruhig: „Dennoch bist du an einen Ort gekommen, wo dieser Weg gleichermaßen durch Kampf und durch Stille führt. Warum hier?“
Lin’yun atmet durch: „Ich habe gesehen, wie die Heilung aus meinem Innersten kam. Ohne Trank oder Verband, nur… aus mir. Ich weiß nicht, wie das geschah, aber ich möchte es verstehen.“
Shen nickte langsam: „Verstehen ist ein langer Weg. Er beginnt mit Demut, aber wird niemals ganz enden. Was bist du bereit dafür zurückzulassen?“
Nach einem nachdenklichen Augenblick blickte Lin’yun auf: „Bequemlichkeit, Sicherheit und meine Heimat – wenn es denn sein soll“
Meister Shen fing an zu lächeln: „Den ersten Schritt hast du bereits getan.“ Er drehte sich um ging ein paar Schritte, während er über seine Schulter nach hinten rief: „Komm schon! Der Nebel lichtet sich nur für diejenigen, die bereit sind, durch ihn hindurchzugehen.“
Lin’yun lächelte dankbar und folgte ihm.
Am nächsten Tag begann es schon früh. Die ersten Übungen im Hof. Flüssige Bewegungen und Lernen das eigene Chi wahrzunehmen und zu kontrollieren. Durch Atmung versuchen die eigene Konzentration zu stärken. Nach dieser Lektion gibt es ein kleines Frühstück und Tee. Dem folgt dann eine Lektion im Kampf. Ein schwieriges Thema für Lin’yun. Sie fragt sich, warum sie das erlernen muss. Es ist auch der schwierigste Teil für sie, Kraft und Ausdauer fehlt ihr. Mühevoll zwingt sie sich durch die Übungen. Trotz der Zweifel versucht sie zu lernen. Abends liest sie in den Schriftrollen und Büchern des Klosters. Dabei liegt der sanfte Geruch von Duftstäbchen in der Luft. So vergingen die Tage und Lin’yun wurde besser in den Disziplinen. Aber nicht alles gelang ihr auf Anhieb. Beim Kampf hatte sie ihre Probleme. Ihr Innerstes sträubte sich dagegen anderen Schaden zuzufügen und sie zu verletzen – ihre Aufgabe war doch Heilung. Sie stagnierte und kam nicht voran.
Also suchte sie Hilfe und sprach mit Meister Shen: „Warum muss ich das Kämpfen erlernen? Ich verstehe das nicht?“
Shen sah sie an und antwortete ruhig: „Lin’yun du darfst nicht fragen, warum wir kämpfen. Auf dieser Welt sind alle Geschöpfe kämpferisch geprägt. Es mag einige Ausnahmen geben, aber sie sind nur Ausnahmen. Das heißt kämpfen liegt in unserer Natur, wir akzeptieren es. Somit ergibt sich auch das Kämpfen zum Leben gehört. Wir Mönche leben, trainieren und arbeiten stetig an uns selbst, um durch unsere Konzentration eine innere Ruhe zu erlangen. Diese Ruhe erreichen wir durch Harmonie, wenn alles im Gleichgewicht ist.“
Lin’yun fängt an zu begreifen: „Wenn also ein Teil unserer Harmonie fehlt, kommen wir aus dem Gleichgewicht und verlieren unsere Konzentration… - Kampf und Heilung ergänzen sich also zu einem Gleichgewicht. Durch den Kampf schaffe ich es Balance zu halten und das zu schützen was mir wichtig ist.“
Meister Shen lächelt und nickt: „Dies ist der richtige Weg.“
Lin’yun verneigt sich dankend und sagt: „Vielen Dank Meister Shen, ich sehe es nun viel klarer.“
Weitere Tage und Wochen vergehen. Lin’yun verbessert sich und steigert ihre Form auch im Kampf. Sie verinnerlicht, warum sie kämpft und was sie antreibt.
Eines Abends sitz sie auf dem Berg nahe dem Tian Kloster und lässt bei einem Drachenblütentee ihren Blick über das weite Tal schweifen. Sie denkt an die letzte Zeit, an den ihren Beitritt zum Kloster, wie sie sich verändert hat und welche Fähigkeiten sie erlernen durfte. Außerdem hat sich ihr Wissen über Geschichte, Kräuter und Heilkunst im Allgemeinen stark vergrößert. Aber sie ist noch nicht am Ende, im Gegenteil sie hat einen großen Wissensdurst. Sie will reisen und ihre Heilkunst überall dort anbringen, wo sie gebraucht wird. Sie überlegt eine lange Zeit an diesem Abend bis spät in die Nacht hinein. Sie kommt am Ende zu dem Entschluss – Zeit zum Aufbruch.
Mit diesem Entschluss legt sie sich zur Ruhe und ist gespannt, wie ihre Entscheidung aufgenommen wird.
Am nächsten Tag nach der Meditation sucht sie Meister Shen auf. „Seid gegrüßt Meister Shen, ich wünsche einen guten Morgen. Ich muss mit ihnen über etwas sprechen.“ Shen bietet ihr einen Platz und etwas Tee an. „In der letzten Zeit habe ich hier viel gelernt, habe meinen Geist gestärkt und großes Wissen angesammelt. Das alles möchte ich hinaus in die Welt tragen. Ich möchte reisen und sehen, wo ich gebraucht werden kann.“
Meister Shen lächelte sanft: „Deine Fortschritte sind beachtlich Lin’yun und deine Ausbildung ist abgeschlossen. Du willst rausziehen und für Gleichgewicht sorgen. Eine ehrbare Sache hast du dir ausgewählt.“
Lin’yun begann zu lächeln: „Nein dies ist mein Schicksal, mein Pfad.“
Shen blickte zu ihr und nickte: „Nun denn, wann wirst du aufbrechen und was sind deine Ziele?“
Sie blickte hinaus: „Ich denke, die Horde ist der richtige Ort für mich. Ich will nach Orgrimmar aufbrechen und sehen was mich dort erwarten wird.“
„Dann empfehle ich dir nach Pel‘zin aufzubrechen. Sprich dort mit einem Verwandten von Feuerpfote. Er ist vor Jahren aufgebrochen um als Botschafter für die Huo’jin zu agieren.“ sagte Meister Shen.
Lin’yun nickte und reichte Shen zum Abschied die Hand: „Danke für die Ausbildung und für alles, was sie mir beigebracht haben.“
Beide hatten einen Schimmer in den Augen als Shen die Hand ergriff und antwortete: „Du warst eine gute Schülerin und ich wünsche dir alles Gute. Auf Wiedersehen hoffe ich.“
Lin’yun verließ das Zimmer und machte sich auf ihre Sachen zu packen. Sie verabschiedete sich und wanderte nach Honigtau, um Vorräte für die Reise aufzufrischen und einen Ballon zu nutzen. Von dort ging es auf die Reise in die Krasarangwildnis, wo sie von freundlichen Fischern neue Vorräte und eine Überfahrt nach Kalimdor bekam.