Pfad des Nebels

- Ankunft und Leben in Orgrimmar -

Im Gasthaus „Zum gebrochenen Hauer“ kam sie zuerst an. 

Lin’yun fragt beim Gastwirt nach: „Hallo! Ich bin neu hier, gerade angekommen. Wo kann ich mehr von meiner Art finden?“ 

Gryshka, die Orcin, mustert Lin’yun: „Throm’ka!  Willkommen im Hauer, Pandarin. Ihr müsst nur der Gasse folgen Feuerpfote und seine Leute befinden sich im Tal der Ehre.“

Lin’yun bedankt sich und ging los in Richtung der Gasse. Sie schaute sich dabei immer wieder um, völlig überwältigt von der schieren Größe von Orgrimmar. Vorbei am Auktionshaus in dem die Goblins ihre Angebote schrien, hinein in die Gasse. Dort herrschte ein lautes und geschäftiges Treiben. Ein paar Orcs trugen schwere Kisten, ein anderer grillte Fleisch über offenem Feuer. Tauren schoben sich mit kräftigen Schritten an anderen vorbei. Ein paar Trolle breiteten ihre Stoffe aus und versuchten sie unter die Leute zu bringen. Zwischen all dem Lärm bewegten sich Reisende und Abenteurer, jeder mit eigenen Zielen. Manche trugen exotische Waffen, andere führten Reittiere am Zügel. Die Banner der Horde wehten über den Dächern, und das stetige Klirren von Metall kam näher, je weiter Lin’yun Richtung Tal der Ehre ging. Es war überwältigend. Laut, roh, chaotisch – und doch voller Energie. Für einen Herzschlag blieb sie stehen, ließ die Eindrücke auf sich wirken. 

Sie dachte sich: „Das ist es also – das Herz der Horde.

Im Tal der Ehre vernahm sie die Geräusche der Schmieden. Es wurden Waffen und Rüstungen produziert und repariert. Auf einigen Übungsplätzen trainierten die verschiedenen Völker ihre Kampfkünste. Etwas weiter in der Mitte sah sie Pandaren. Sie lief auf geradem Weg zu ihnen.

Ji Feuerpfote: „Throm’ka, Schwester! Dein Gesicht hab ich hier noch nicht gesehen. Bist neu in Orgrimmar, hm?“

Lin’yun: „Ja… ich kam heute an. Mein Zuhause war das Tian-Kloster. Dort habe ich gelernt, doch mein Weg führt mich nun weiter. Ich möchte mich der Horde anschließen – und suche Unterkunft, vielleicht auch etwas Anschluss.“

Feuerpfote grinst breit, seine Augen funkeln vor Begeisterung: „Das ist gut! Sehr gut! Die Horde braucht starke Herzen. Anfangs wirkt alles hier überwältigend, aber glaub mir – man findet schnell seinen Platz.“

Lin’yun lächelt dankbar: „Es ist laut, chaotisch… und doch spüre ich Kraft in dieser Stadt.“

Ji nickt: „Genauso ist es. Die Horde ist stark, weil wir alle verschieden sind – und trotzdem zusammenstehen. Komm, ich zeig dir, wo du bleiben kannst. Und wenn du Fragen hast – such einfach nach mir. Wir Pandaren müssen zusammenhalten, hm?“

Ein einfaches Zelt, mit einer Schlafmatte und einem kleinen Drachenteeset, bekommt sie in den Reihen der Huo’jin. Nach dem Aufstellen und einer kleinen Mahlzeit war es auch schon Zeit für das Ende des Tages. Völlig ermüdet lag sie auf ihrer Matte und sank in den Schlaf.

Am nächsten Morgen ging sie los in Richtung der Gasse. Dort angekommen besorgte sie sich von einem pandarischen Händler etwas Tee. Weiter in der Mitte der Gasse lockten die Köstlichkeiten aus den Reihen der Horde. Dafür, um ein bisschen neues zu erleben und auch zu erfahren, gab es für einen Becher gewürzten Kaktussaft. Etwas erfrischendes, trotzdem herbes und leicht scharfes Getränk. Als Essen entschied sie sich für einen trollischen Fisch Eintopf. Der Koch meinte, es ist aus rotem Schnapper, deftig gewürzt mit Wildkräutern und einer Spur trollisches Chili. 

Der Duft des Eintopfs stieg ihr schon in die Nase, bevor die dampfende Schale vor ihr stand. Scharf, rauchig, mit einer Note von Kräutern, die ihr völlig fremd waren. Vorsichtig tauchte sie den Löffel hinein. Ein Stück roter Schnapper, durchzogen vom Chili der Trolle – sie kostete. Hitze! Erst auf der Zunge, dann brannte sie durch den ganzen Körper. Für einen Moment musste Lin’yun die Augen schließen, Tränen stiegen ihr in die Augenwinkel – durch die Kraft, die in dieser Speise steckte.

Wild, ungestüm, voller Feuer – So also schmeckt die Horde…“, dachte sie. 

Nichts, was sie je in Pandaria gegessen hatte. Aber inmitten der Schärfe entdeckte sie auch Harmonie: die Süße des Fisches, die Frische der Kräuter, die Wärme des Chilis. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Es war ungewohnt, ja – aber auch aufregend. Dennoch musste sie sich eingestehen, dass es eine Spur zu scharf ist. Das Getränk wiederum, an den Kaktussaft könnte sie sich gewöhnen.

Nach der Stärkung zog es sie weiter ins Tal der Weisheit. Ein kurzes Gespräch mit ein paar Pandaren hatte ihr die Information gebracht, dass dort ein wunderbarer Platz zum Meditieren ist. Als sie ankam, sah sie was gemeint war. Ein wunderschöner Wasserfall mit einem ruhigen Fleck breitete sich vor ihr aus. Sie nahm ihren Tee hervor und führte eine kleine Tee Zeremonie durch. Danach nahm sie die dafür vorgesehene Haltung ein. Der Schneidersitz, mit den Händen welche auf den Oberschenkeln ruhten.

Sie konzentrierte sich und entspannte augenblicklich. Nach einer kurzen Zeit raschelte es neben ihr. 

Ein Troll, anscheinend ein Schamane legte gerade ein Räucherbündel ins Wasser und setzte sich neben sie: „Hm… du bist keine, die ich hier oft seh’, man. Frisch in Orgrimmar, ja? Ich bin Zul’tek, man.“

Lin’yun nickte leicht: „Ja, ich bin Lin‘yun. Ich kam aus dem Tian-Kloster in Pandaria. Ich suche… einen Platz. Und Ruhe.“

Zul’tek schmunzelt und deutete auf den Wasserfall: „Ruhe, die find’ man immer – wenn man richtig hinhört, man. Bei uns Trolle heißt‘s: Alles lebt, alles stirbt… und alles fangt wieder von vorn an. Der Kreis dreht sich, egal was wir tun.“

Lin’yun blickt ins Wasser und richtete dann den Blick nach oben: „Bei uns Pandaren sagt man: Balance ist der Schlüssel. Wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät, leidet alles.“

Mit einem tiefen, eher zustimmenden Brummen, nickte Zul’tek:
„Hm… Balance, Kreis… vielleicht sin‘s nur zwei Wörter für dasselbe, man? Du hältst de Waage… ich seh’s, wie’s zurückkommt. Am Ende geht’s nur drum, dass wir uns erinnern: Wir sind Teil von etwas Größerem, man.“

Sich verneigend, lächelt Lin’yun dankbar: „Danke… deine Worte fühlen sich an wie Heimat Zul’tek, auch wenn ich so weit weg bin.“

Der Schamane lacht leise: „Zul’tek sagt immer: Heimat is‘ da wo’s Herz ruhig ist, man. Willkommen in da Horde.“

Damit erhob sich Zul’tek und sagte zum Abschied: „Man sieht sich!“ Dann verschwand er nach wenigen Schritten um eine Kurve. Lin’yun dachte noch etwas weiter darüber nach und nutzte noch etwas Zeit für eine Meditation. Auf ihrem Heimweg dachte sie noch etwas darüber nach.

Die Erzählungen stimmen, es ist ein sehr lauter Ort. Man erkennt das kriegerische direkt. Aber hier im Tal der Weisheit oder im Tal der Geister, liegt sehr viel Ruhe als Gegenstück zur Aufregung des Kampfes. Spannend und motivierend hier zu Leben – als Teil der Horde.

Die nächsten Tage vergingen auf eine ähnliche Art und Weise, mit der Abwechslung, dass sie neue Kleidung bekam und dem Trainingsbereich öfter einen Besuch abstattete. Ihre regelmäßigen Meditationen wurden durch Trainingseinheiten mit Ji ergänzt. So blieb sie in Form und konnte Faustkampf und einige neue Formen erlernen und verfeinern.

Und so begann für Lin’yun Nebelhauch ein neues Leben – im Lärm der Horde, aber auch in der Ruhe, die sie sich selbst bewahrte.

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