Auf der Jagd nach Heimat

- Prolog -

Zwischen den sanften Hügeln des Immersangwaldes, dort, wo Kirschblüten im Wind tanzen und das Licht der ewigen Sonne golden durch die Bäume fällt, lag Sylaine Dämmerblicks Zuhause. In Morgenluft, einem kleinen Dorf südlich von Silbermond, verbrachte sie ihre Kindheit – fern vom Glanz der eindrucksvollen Türme, und doch stets unter ihrem stillen Blick.

Die Menschen dort waren einfacher Natur: Handwerker, Sammler, Wachen, die am Tag die Straßen patrouillierten und nachts die Lichter der Stadt von weitem sahen. Ihre Eltern gehörten zur Stadtwache von Silbermond – stolz, diszipliniert, pflichtbewusst. Für Sylaine aber waren die Wälder ihr Spielplatz.

Während andere Kinder sich von Lehrmeistern in der Magie unterweisen ließen, zog es sie hinaus in die satt grünen Wälder. Dort lernte sie das Knacken eines Zweigs im Unterholz zu deuten, die Stimmen der Tiere zu unterscheiden und im Stillen zu atmen, bis der Wald sie kaum mehr bemerkte. Mit Bogen, Schwert und später mit Stangenwaffen begann sie zu üben – unbeholfen zuerst, doch mit wachsender Entschlossenheit und eventuell auch etwas Veranlagung.

Schon früh spürte sie: Ihre Bestimmung lag nicht im Arkanen, sondern in der Jagd, im Kampf und im Schutz dessen, was ihr Heimat bedeutete. Aus diesem Grund, wollte Sylaine auch etwas zum Schutz beitragen. Nicht in der Stadtwache wie ihre Eltern, sondern sie wollte außerhalb der Stadtmauern die Ordnung wahren. Ihre Idee war sich den Weltenwanderern anzuschließen. Die elitäre Gruppe der Waldläufer von Silbermond war ihr Ziel. Sie wollte Fernkampf, Nahkampf und essenzielle Überlebensfähigkeiten lernen.

Nicht alle im Umfeld von Sylaine teilen die Liebe zur Natur und Waffen. Aralis Morgenlicht beispielsweise. Sie ist magiebewandert und liebt es ihren Kopf in die Bücher zu stecken und neue Zauberformen zu studieren, gleichzeitig ist sie die beste Freundin von Sylaine und beiden verbringen zusammen viel Zeit. Bald wird es weniger Zeit für beide. Ihre Ausbildungen werden bald beginnen. Aralis wird dann zur Sonnenbrunnen Akademie gehen, wo die großen Türme, voller Bibliotheken in die Höhe ragen und sich der arkanen Künste annehmen. Sylaine hingegen will zur Zuflucht der Weltenwanderer, wo lange Nächte im Immersangwald, Disziplin und Schweiß während der harten Ausbildung auf sie warten, ziehen. Trotzdem wollen die beiden sich noch regelmäßig sehen.

„Wir werden uns auf jeden Fall regelmäßig sehen müssen. Ich will ja auch sehen, was du dann so alles kannst!“ lächelte Aralis.

„Du wirst es dann sehen, wenn ich dich plötzlich überrasche und unerkannt aus dem Gebüsch hinter dir hervorschleiche.“ Antwortete Sylaine und schloss sie in die Arme: „Ich bin sehr gespannt, was die Zukunft so bereithält. Alle spannenden neuen Aufgaben und unsere Positionen dann, du als angesehene Magierin und ich vielleicht in der Zukunft Waldläufergenerälin.“

„Das ist es, was wir uns vorgenommen haben, also werden wir das Schaffen. Wir beide kriegen das hin, was wir uns vornehmen. Jetzt werde ich aber nach Hause gehen und mich vorbereiten.“ mit diesen Worten erwiderte Aralis die Umarmung. Sie nahm ihre Tasche, die mit Büchern gefüllt war, die sie immer mit sich trägt und machte sich auf den Weg. Kurz bevor sie aus dem Haus trat, dreht sie sich noch einmal um: „Shorel’aran, Anar’alah belore!“

„Shorel’aran meine liebe Freundin.“ Sylaine winkte ihr zum Abschied noch nach.

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